In Ilmenau wurde diskutiert, hinterfragt und geteilt – mit vielen konkreten Einblicken in den Einsatz von tDCS und Neurofeedback im Praxisalltag und in der Forschung.
Therapierende aus ganz Deutschland sind am vergangenen Wochenende nach Ilmenau gekommen – viele davon mit ganz konkreten Fragen aus ihrer täglichen Praxis. Genau das hat man auch gemerkt: Die Gespräche waren direkt, offen, teilweise auch kritisch. Es ging weniger um „die eine Methode“, sondern vielmehr darum, wie sich Neuromodulation sinnvoll in bestehende Therapiekonzepte einfügt.
Schon der Einstieg von Frank Schmidt-Staub, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie in Hannover, hat viele abgeholt. Er stellte sein Praxiskonzept für die Heimanwendung der transkraniellen Gleichstromstimulation (tDCS) vor. Seine Patient:innen erhalten Geräte mit nach Hause und führen die Therapie ärztlich begleitet selbstständig in ihrer Alltagsumgebung fort. Besonders betonte er die Notwendigkeit, die Patient:innen gründlich in die Anwendung einzuweisen und die Therapieergebnisse engmaschig zu kontrollieren und auszuwerten.
Das Thema Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, vorgestellt von Prof. Dr. Klaus Jahn (Schön Klinik Bad Aibling und Ludwig-Maximilians-Universität München), ist für viele Therapierende im Alltag sehr relevant. In Kooperation mit neurocare arbeitet seine Forschungsgruppe an einem tragbaren Stimulator für Gangstörungen im Zusammenhang mit beidseitigem Ausfall des Gleichgewichtsorgans. Für eine Auflockerung sorgten die anschaulichen Hands-on-Übungen zur Behandlung von gutartigem Lagerungsschwindel.
Christina Harms vom THERAPIEWERK Baden-Baden stelle einen integrativen Ansatz vor, der Neurofeedback-Training (insbesondere SCP-Training) mit verhaltenstherapeutischen Interventionen und diagnostischen Methoden verbindet. Ziel ist es, die im Training erlernte neuronale Selbstregulation gezielt in den Alltag zu übertragen. Durch mikroanalytische Verhaltensbeobachtungen aus Videoaufnahmen werden individuelle Selbstregulationsstrategien identifiziert, sodass Neurofeedback nicht als isolierte Maßnahme, sondern als Teil eines systematischen therapeutischen Vorgehens nachhaltig wirksam werden kann.
Der Vortrag von Ekaterina Turowa gab einen sehr persönlichen Einblick in die langjährige Begleitung eines Kindes mit Autismus-Spektrum-Störung. Ausgangspunkt war eine deutliche Entwicklungsverzögerung im Kleinkindalter. Im Verlauf wurde ein multimodaler Therapieansatz aufgebaut, der klassische Therapien mit Neurofeedback und tDCS im individuellen Heilversuch kombinierte und über viele Jahre konsequent angepasst wurde. Heute besucht das Kind begleitet ein Gymnasium und ist im gesellschaftlichen Leben gut integriert.
Mit ihrem Beitrag zur pädiatrischen Anwendung von tDCS in Osteuropa und Zentralasien erlaubte Ekaterina Turowa einen Einblick in medizinische Verfahrensweisen in anderen Kulturkreisen. Die tDCS wird nach der "osteuropäischen Schule" (außerhalb der EU) als Standardtherapie in der Kinder-Neurorehabilitation eingesetzt, jedoch bei Stromstärken von 0,1 bis max. 1 mA. Leitlinienempfehlungen gibt es keine, die Methode ist jedoch gelebte klinische Praxis. Der Vortrag zeigte, dass sich die Zulassungsverfahren in unterschiedlichen Kulturkreisen deutlich unterscheiden.
Dr. Edith Schneider gezeigte, wie Flow und Wohlbefinden mit der Flexibilität zentraler Hirnnetzwerke zusammenhängen und wie SCP‑Training genau diese Dynamik unterstützt. Für die Teilnehmenden wurde damit greifbar, dass Selbstregulation nicht nur ein Trainingsziel, sondern ein konkret erlebbarer Zustand im Alltag sein kann – und dass sich dieser auch neurophysiologisch erklären lässt.
Was viele am Ende mitgenommen haben, war weniger eine einzelne Erkenntnis als vielmehr dieses Gefühl: Das Feld entwickelt sich weiter, aber eben nicht nur über Studien, sondern stark über Austausch, Erfahrung und gemeinsames Ausprobieren.
Das nächste Anwendertreffen Neuromodulation findet am 19. bis 20. Juni 2027 wieder in Ilmenau statt. Merken Sie sich das Datum auf jeden Fall schon in Ihrem Kalender vor. Wir werden Ihnen bald die ersten Details präsentieren, denn wir sind schon mit den ersten Vortragenden im Gespräch.
In der Zwischenzeit bietet die neurocare academy das ganze Jahr über professionelle und intensive Schulungen zu tDCS und Neurofeedback an. Hier können Sie unser Schulungsangebot einsehen.
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Eindrücke vom Anwendertreffen Neuromodulation 2026:

Bilder: © neurocare group AG


