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Wenn Durchhaltevermögen nicht ausreicht: Dr. Kirsten Peterson über psychische Gesundheit, Burnout und Resilienz im Spitzensport

Geschrieben von neurocare group | 28.05.2026 06:41:58

Spitzensportler werden oft für ihre Ausdauer, Disziplin und ihr unermüdliches Streben nach Spitzenleistungen gefeiert. Aber was passiert, wenn ständige Anstrengung zu Burnout, Angstzuständen oder sogar Traumata führt? In unserem aktuellen Interview spricht Dr. Trevor Brown mit Dr. Kirsten Peterson – Leistungspsychologin, Autorin und ehemalige leitende Psychologin des US-Olympischen Komitees – über die Realitäten hinter den Medaillen und die Bedeutung der psychischen Gesundheit in Hochleistungsumgebungen.

Jenseits von Durchhaltevermögen: Mentale Stärke neu denken

Dr. Peterson arbeitet seit Jahrzehnten mit Olympioniken und Hochleistungsteams zusammen. In ihrem aktuellen Buch „When Grit’s Not Enough“ hinterfragt sie die Vorstellung, dass mentale Stärke allein der Schlüssel zum Erfolg ist. „Wir brechen sie, Sie reparieren sie“, erinnert sie sich an die Worte der Trainer – eine Denkweise, die Sportler an ihre Grenzen treibt, oft auf Kosten ihres Wohlbefindens.

Während der COVID-19-Pandemie sorgte die Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio für beispiellose Unsicherheit. Die Athleten sahen sich mit der Nichtberücksichtigung, unterbrochenen Routinen und unerbittlichen Trainingsplänen konfrontiert. Einige Trainer verdoppelten die Intensität, während andere der psychischen Gesundheit Vorrang einräumten und den Athleten sogar erlaubten, sich für ihr eigenes Wohlbefinden zu verpflichten. „Manchmal, insbesondere in Zeiten der Unsicherheit und des Wandels, reicht Durchhaltevermögen vielleicht nicht aus“, reflektiert Peterson. „Es gibt noch etwas anderes, das hier eine Rolle spielt, nämlich die Fähigkeit, sich wirklich auf das zu konzentrieren, was im Moment notwendig ist.“

Die Kraft der Selbstwahrnehmung

Eines der zentralen Themen des Gesprächs ist Selbstwahrnehmung. Peterson erklärt, dass Leistungsträger oft lernen, Signale ihres Körpers und Geistes – Müdigkeit, Schmerzen, Angst – zu ignorieren, um ihre Ziele zu erreichen. Wahre Resilienz entsteht jedoch dadurch, dass man diese Signale wahrnimmt und klug interpretiert, anstatt um jeden Preis weiterzumachen.

„Selbstbewusstsein kann trainiert werden, genau wie jede andere Fähigkeit“, sagt Peterson. Techniken wie Meditation und Achtsamkeit helfen Sportlern, mit Unbehagen umzugehen und ein genaueres Verständnis ihrer inneren Landschaft zu entwickeln. Dies ist nicht nur für die Leistung, sondern auch für das langfristige Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung.

Trauma, Burnout und der Bedarf an Unterstützung

Das Interview befasst sich mit der Verbreitung von Traumata und Burnout im Spitzensport. Peterson berichtet von ihren eigenen Burnout-Erfahrungen und beschreibt, wie mangelndes Selbstbewusstsein dazu führte, dass sie ihren Traumjob nur noch „halbherzig“ ausübte. Für Sportler können ständiger Druck und Übertraining zu emotionaler Erschöpfung, Verletzungen und sogar langfristigen gesundheitlichen Folgen führen.

Unterstützungssysteme sind unerlässlich. Peterson hebt drei Arten sozialer Unterstützung hervor, die jeder Sportler braucht: bedingungslose positive Unterstützung, instrumentelle Unterstützung und ehrliches Feedback. „Wir sind soziale Wesen”, sagt sie. „Das Streben nach Sicherheit statt nach Angst ist die Grundlage für optimale Leistung.”

Ambition und Wohlbefinden in Einklang bringen

Dr. Brown berichtet von seiner Karriere als Olympionike und beschreibt dabei ausführlich die Ängste, die Furcht vor dem Scheitern und die Einsamkeit, die sein Streben nach Spitzenleistungen begleiteten. Bewältigungsstrategien wie Visualisierung, Atemübungen und Meditation halfen ihm zwar, doch letztlich erwies es sich als entscheidend, durch akademische Leistungen, Beziehungen und Selbstmitgefühl ein Gleichgewicht zu finden.

Peterson betont, dass Resilienz nicht nur bedeutet, härter zu arbeiten, sondern auch, Systeme der Sicherheit und des Mitgefühls zu schaffen. „Meine Mission ist jetzt größer als ich selbst“, sagt sie. „Wir müssen die richtigen Bedingungen schaffen, damit die Menschen in Systemen leben können, in denen Sicherheit an erster Stelle steht.“

Wichtige Erkenntnisse für Sportler, Trainer und Organisationen

  • Psychische Gesundheit ist genauso wichtig wie körperliches Training.
  • Selbstbewusstsein und Achtsamkeit sind grundlegende Fähigkeiten für Resilienz.
  • Unterstützungssysteme – Familie, Freunde, Mentoren – sind entscheidend für Genesung und Wachstum.
  • Trainer und Organisationen müssen ein Umfeld der Sicherheit und des Mitgefühls fördern, nicht nur der Leistung.