Zwangsstörungen

Die Zwangsstörung (engl. obsessive-compulsive disorder, kurz OCD) ist eine psychische Störung, die zu den Angststörungen gezählt wird. Charakteristisch für Zwangsstörungen sind Zwangsgedanken (engl. obsessions) und Zwangshandlungen (engl. compulsions).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft die Zwangsstörung als eine der zehn schwerwiegendsten Erkrankungen in Bezug auf Ihren Einfluss auf Erwerbstätigkeit und Lebensqualität ein.

 

Was ist eine Zwangsstörung?

Hauptmerkmal der Zwangsstörung sind Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen, die der Betroffenen als unfreiwillig, fremd und nicht zu sich selbst gehörig empfindet. Sie werden von Angst- oder Furchtempfindungen begleitet.

Zwangsstörungen existieren in ganz unterschiedlichen Formen. Am häufigsten ist der zwanghafte Gedanke daran, bestimmte Handlungen auszuführen, die auch als Rituale bezeichnet werden.

Auf Außenstehende wirken diese Handlungen unnötig und irrational. Für den Betroffenen scheinen sie aber unerlässlich. Für ihn müssen sie meist exakt und in einer festgelegten Reihenfolge ausgeführt werden, um vermeintliche, negative Folgen abzuwenden. Beispiele für Zwangshandlungen sind sehr häufiges Händewaschen oder Rückversichern, ob die Haustüre abgeschlossen ist.

Die meisten Betroffenen sind sich darüber bewusst, dass ihr Verhalten nicht vernünftig oder sinnvoll ist. Dennoch führen sie ihre Zwangshandlungen weiterhin durch, da jede Unterlassung besagten Verhaltens zu Unruhe, Angst und Anspannung führt.
Das Ausführen von Zwangshandlungen dient dem Zweck, Zwangsgedanken zu verdrängen, zu unterbinden oder zu neutralisieren.


Wann spricht man von einer Zwangsstörung?

Laut DSM-IV (einem Klassifikations-Manual für psychische Erkrankungen) müssen bei einer Zwangsstörung folgende Kriterien erfüllt sein:

A. Bestehen von Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen

Kriterien für Zwangsgedanken:

  • Wiederkehrende und aufdringliche Gedanken, Impulse oder Bilder, die als aufgezwungen oder unsinnig empfungen werden und die Angst oder Stress verursachen.
  • Die Gedanken, Impulse oder Bilder sind mehr als nur übertriebe Besorgnis über alltägliche Probleme.
  • Der Betroffene versucht die Gedanken, Impulse oder Bilder mithilfe von anderen Gedanken oder Handlungen zu ignorieren, zu unterdrücken oder zu neutralisieren.
  • Der Betroffene ist sich bewusst darüber, dass die Zwangsgedanken und -impulse seinem eigenen Bewusstsein entstammen (und nicht durch fremde Gedankeneingebung erzeugt wurden).

Kriterien für Zwangshandlungen:

  • sich wiederholende Verhaltensweisen (z.B. Händewaschen, Gegenstände ordnen oder kontrollieren) oder gedankliche Handlungen (z.B. Beten, Zählen, leises Wiederholen von Worten), die vom Betroffenen in Reaktion auf Zwangsgedanken und nach bestimmten, strengen Regeln ausgeführt werden
  • Die Verhaltensweisen oder gedanklichen Handlungen haben das Ziel Anspannung oder angstbesetzte Situationen zu verhindern oder zu reduzieren. Sie stehen dabei aber nicht in direktem Zusammenhang mit der eigentlichen Situation, die verhindert oder reduziert werden soll, oder sind eindeutig übertrieben.

B. Im Verlauf der Erkrankung wird dem Betroffenen klar, dass die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen übertrieben und unnötig sind (dies muss bei Kindern nicht unbedingt zutreffen).

c. Die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen führen zu ausgeprägter Anspannung, sind zeitaufwändig (mehr als eine Stunde pro Tag) oder stellen eine ernsthafte Beeinträchtigung des Alltags, der Arbeit (oder des Studiums) oder der sozialen Aktivitäten und Beziehungen dar.


rTMS bei Zwangsstörungen

Es gibt verschiedene Wege Zwangssymptome zu behandeln, beispielsweise Verhaltenstherapie oder Medikamente. Eine neue Behandlungsform ist rTMS (repetitive transcranial stimulation oder wiederholte transkranielle Magnet-Stimulation). Diese Methode wird seit Jahren in der Behandlung von Depressionen angewandt und zeigt inzwischen auch gute Resultate bei Zwangsstörungen.

Besonders interessant ist die rTMS in der Behandlung von Zwangsstörungen auch deswegen, weil ein bestimmter Anteil der Patienten mit Zwangsstörung auf konventionelle Behandlungsmethoden nicht anspricht. rTMS hingegen scheint ersten wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge sogar bei behandlungsresistenten Zwangsstörungen eine gute Wirksamkeit zu haben.

rTMS kann nicht angewendet werden

  • bei Personen mit Epilepsie
  • bei Personen mit manischer oder psychotischer Depression
  • während Schwangerschaft
  • nach einem Schlaganfall.

Das folgende Video zeigt, wie bei neuroCare Zwangsstörungen mit rTMS behandelt werden.

Mehr Informationen über diese neue Behandlungsmethode für Zwangsstörungen finden Sie unter

rTMS bei Zwangsstörungen.