rTMS - Forschung & Ergebnisse

Die rTMS oder magnetische Hirnstimulation ist eine neue Methode zur Behandlung von Depressionen und scheint eine gute Alternative zu Antidepressiva zu sein. Nach mehr als 20 Jahren Forschung und praktischer Erfahrung, zeigt diese Behandlung sehr gute Effekte fast ohne Nebenwirkungen. Transkranielle Magnetgehirnstimulation (rTMS) ist Teil einer neuen Entwicklung, in der die Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen zunehmend gezielter und personalisiert angewendet wird. In diesem Fall handelt es sich um ein Verfahren zur Neuromodulation. Neben rTMS umfasst diese neue Richtung in der Gesundheitsversorgung auch die Tiefenhirnstimulation und das EEG-Biofeedback / Neurofeedback. Ziel der Neuromodulation und personalisierten Medizin ist es, effektiverer Behandlungen mit weniger Nebenwirkungen zu erzielen. Für weitere Hintergrundinformationen über personalisierte Medizin lesen Sie auch den Artikel im Abschnitt Personalisierte Medizin.

Im Dezember 2007 wurden die Ergebnisse einer großen kontrollierten Studie zur Wirkung der rTMS Behandlung bei Depressionen veröffentlicht. In dieser Studie wurden mehr als 300 unter Depressionen leidenden Patienten mit rTMS behandelt (O'Reardon et al, 2007). Diese Studie zeigte, dass die rTMS eine sichere und effektive Behandlungsmethode für Depressionspatienten ist, die nicht auf Antidepressiva ansprechen. Kürzlich wurde diese Studie von unabhängigen multizentrischen Studie von George et al. (2010) repliziert. Beide Studien schlossen Patienten ein, die nicht auf Antidepressiva ansprachen und eine hohe Therapieresistenz aufwiesen. Unlängst veröffentlichte Dennis Schutter (Universität Utrecht) eine Meta-Analyse, in der er zu dem Schluss kommt, dass rTMS bei Depression wirksamer ist als Scheinstimulation (Placebo) und darüber hinaus die Wirkung der rTMS zumindest vergleichbar ist mit Antidepressiva (Schutter, 2009: "These Findings show that high-frequency rTMS over the left DLPFC is superior to sham in the treatment of depression. The effect size is robust and the comparable to at least a subset of commercially available antidepressant drug agents ...").

In den Behandlungszentren von neuroCare wird die rTMS-Behandlung mit Psychotherapie kombiniert. Eine aktuelle Studie mit über 90 Patienten in der führenden Fachzeitschrift "Brain Stimulation" zeigt, dass die bei neuroCare verwendete Kombination von rTMS und Psychotherapie eine Wirksamkeit von 78% hat und dass durchschnittlich 21 Sitzungen erforderlich sind (Arns, Drinken, Fitzgerald & Kenemans, 2012). Eine Zusammenfassung der Studie finden Sie hier. Darüber hinaus wurden während dieser Sitzungen keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet.

Zum Vergleich: Antidepressiva wie Citalopram zeigen Remissionsraten von nur 33% (Trivedie et al, 2006; STAR * D-Studie) und nur 30-50% der Patienten sprechen gut auf Antidepressiva an.

Von einer ersten Kohorte von 49 Patienten wurden mittlerweile auch die langfristigen Effekte der rTMS durch Follow-up-Untersuchungen nach 6 Monaten untersucht. Von diesen 49 Patienten waren 36 Responder (73,5%), welche nach sechs Monaten noch einmal getestet wurden. Von diesen 36 Patienten konnten 17 noch als Responder angesehen werden, neun Patienten hatten einen Rückfall und ein Patient erhielt noch Erhaltungsbehandlungen. Der Nachtest weiterer neun Patienten war nicht zustande gekommen. Dies führt zu einer optimistischen Einschätzung der Wirksamkeit nach 6 Monaten von 65% und einer Worst-Case-Schätzung von 47% (für den Fall, dass alle neun nichtgetesteten Patienten Non-Responder waren). Untenstehende Tabelle zeigt die BDI-Werte der Untergruppe der Responder mit Follow-up-Daten. Nach 6 Monaten zeigt die Gruppe als Ganzes immer noch eine Abnahme von mehr als 52% der BDI-Werte im Vergleich zur Anamnese.

Die Kombination von rTMS und Gesprächstherapie scheint für eine Mehrheit der Patienten die Langzeitwirkung zu verbessern.


In der obigen Abbildung sind die jüngsten Ergebnisse der rTMS-Behandlung in einer Untergruppe von Klienten mit Depressionen (Responder) dargestellt, deren Follow-up-Daten ebenfalls bekannt sind. Diese Klienten wurden mit rTMS in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie behandelt. Die Grafik zeigt die Werte des Beck Depression Inventory (BDI), ein anerkanntes Instrument zur Messung des Schweregrades einer Depression. Diese Umfrage wurde alle fünf Sitzungen durchgeführt, um festzustellen, ob die Therapie wirksam ist oder nicht. Der Cut-off Wert des BDI ist eine Punktzahl von 14. Ein Wert unter 14 legt nahe, dass aktuell keine Depression mehr vorliegt.

Weiterführende Literatur:

  • Arns, M., Drinkenburg, W. H. I. M., Fitzgerald, P. B., & Kenemans, J. L. (2012). Neurophysiological predictors of treatment outcome to rtms in depression. Brain Stimulation.
  • Arns, M. (2011). Personalized medicine in ADHD and depression: A quest for EEG treatment predictors.PhD thesis, Utrecht University.
  • Spronk, D. & Arns, M. (2009). rTMS bij depressie. Tijdschrift Voor Neuropsychiatrie & Gedragsneurologie, (Juli-Augustus).
  • George, M. S., Lisanby, S. H., Avery, D., McDonald, W. M., Durkalski, V., Pavlicova, M., . . . Sackeim, H. A. (2010). Daily left prefrontal transcranial magnetic stimulation therapy for major depressive disorder: A sham-controlled randomized trial. Archives of General Psychiatry, 67(5), 507-16. doi:10.1001/archgenpsychiatry.2010.46
  • Schutter (2008) Antidepressant efficacy of high-frequency transcranial magnetic stimulation over the left dorsolateral prefrontal cortex in double-blind sham-controlled designs: a meta-analysis. Psychological Medicine, 1-11.

· O'Reardon, J.P., Solvason, H.B., Janicak, P.G., Sampson, S., Isenberg, K.E., Nahas, Z., McDonald, W.M., Avery, D., Fitzgerald, P.B., Loo, C., Demitrack, M.A., George, M.S. & Sackeim (2007) Efficacy and Safety of Transcranial Magnetic Stimulation in the Acute Treatment of Major Depression: A Multisite Randomized Controlled Trial. Biological Psychiatry, 62: 1208-1216.