Im Folgenden finden Sie einige Pressemitteilungen über unsere Forschung zur Neurofeedbackbehandlung von ADHS. Einen vollständigen Überblick über Pressemitteilungen finden Sie auch unter Aktuelles und einen Überblick über unsere wissenschaftlichen Publikationen unter Literatur.


Die Wirksamkeit von Neurofeedback in der ADHS-Behandlung verdoppeln

Erste Untersuchung zu personalisierter Behandlung von ADHS

Nijmegen, 27. März 2012 – Ein personalisierter Behandlungsansatz, der die Neurofeedbackbehandlung individuell auf den ADHS-Patienten zuschneidet, kann dessen Wirkung auf Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Impulsivitätsprobleme fast verdoppeln. Diese Ergebnisse wurden kürzlich in der wissenschaftlichen Zeitschrift ‘Applied Psychophysiology and Biofeedback’ veröffentlicht. Die Untersuchung ist die erste wissenschaftliche Studie, die erforscht, ob auf Basis des sogenannten quantitativen EEGs oder QEEGs personalisierte Neurofeedback-Behandlung eine erhöhte Wirksamkeit in der ADHS-Behandlung zur Folge hat.

Mehrere wissenschaftliche Studien haben bereits gezeigt, dass eine Neurofeedback-Behandlung eine positive und langandauernde Wirkung in der Behandlung von ADHS hat (Arns et al, 2009). Eine neue Entwicklung in der Psychiatrie sind ‚maßgeschneiderte Therapien‘, die manchmal auch unter dem Begriff ‚personalisierte Medizin‘ gefasst werden.

Diese Entwicklung gewinnt mehr und mehr an Popularität, da die meisten ‚konventionellen‘ Behandlungen in der Psychiatrie nur eine begrenzte Wirksamkeit zeigen. Die Entwicklung der personalisierten Medizin konzentriert sich deshalb darauf, für die jeweilige Person die passende Behandlung bereitzustellen, um ein besseres Behandlungsergebnis zu erzielen.

In einer Studie des Research Institute Brainclinics wurden Neurofeedback-Protokolle individuell auf den Patienten zugeschnitten. Auf Basis des quantitativen EEGs des Patienten - auch QEEG genannt – wurde festgelegt, welches gut untersuchte Neurofeedback-Protokoll beim jeweiligen Patienten angewendet wurde.

62% der Patienten sprachen gut auf die Behandlung an (mehr als 50% Reduktion der Symptome). Die in der Studie berichtete „Effektstärke“ von 1,8 (ein Maß für die Größe und klinische Relevanz der Behandlungswirkung) ist im Vergleich zu in vorigen Studien berichteten Effektstärken fast doppelt so groß.

Dieser Neurofeedback-Ansatz bei ADHS [verlinkung] wird bereits in den neuroCare Behandlungszentren eingesetzt. Diese Ergebnisse wurden kürzlich in der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift ‘Applied Psychophysiology and Biofeedback’ veröffentlicht (Arns et al, 2012).

 

Referenzen:

Arns, M., Drinkenburg, W. H. I. M., & Kenemans, J. L. (2012). The effects of QEEG-informed neurofeedback in ADHD: An open label pilot study. Applied Psychophysiology and Biofeedback. doi:10.1007/s10484-012-9191-4.

Arns, M., de Ridder, S., Strehl, U., Breteler, M., & Coenen, A. (2009). Efficacy of neurofeedback treatment in ADHD: The effects on inattention, impulsivity and hyperactivity: A meta-analysis. Clinical EEG and Neuroscience, 40(3), 180-9.


Aktuelle Forschung zeigt: Neurofeedback ist eine ‚evidenzbasierte’ Behandlung für ADHS

Nijmegen, 16. Juli 2009 – Neurofeedback – auch EEG-Biofeedback genannt – ist eine Methode zum Training der Gehirnaktivität mit dem Ziel die Gehirnfunktionen zu normalisieren und so psychiatrische Störungen zu behandeln. Diese Behandlungsmethode fand in den letzten 10 Jahren mehr und mehr Beachtung, aber die Frage, ob sie als ‚evidenzbasierte‘ Behandlung angesehen werden soll, konnte bisher noch nicht beantwortet werden. Morgen wird eine Studie in der wissenschaftlichen Zeitschrift ‘Clinical EEG and Neuroscience’ veröffentlicht werden, die zeigt, dass Neurofeedback wirklich als evidenzbasierte Behandlung für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) betrachtet werden kann.

Neurofeedback ist eine Behandlung, bei der mit Hilfe eines Echtzeit-Feedback bestimmter Gehirnaktivität gelernt wird gezielt  Gehirnaktivität zu unterdrücken oder zu produzieren. Die Methode war ursprünglich für die Behandlung von Epilepsie entwickelt und seit 1976 in der Anwendung zur ADHS-Behandlung untersucht worden. Bei Therapeuten weltweit ist diese Technik in den letzten Jahren immer beliebter geworden und wird aktuell in der Behandlung von verschiedenen Störungen angeboten. Von Kritikern wurde die Wirksamkeit von Neurofeedback und dessen Evidenzbasierung in der Behandlung oft in Frage gestellt.

In Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Tübingen (Deutschland), der Radboud Universität (Nijmegen, the Netherlands), Brainclinics und EEG Resource Institute wurde eine sogenannte Meta-Analyse über alle wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Neurofeedback in der Behandlung von ADHS durchgeführt. Diese Meta-Analyse schließt 15 Studien mit 1194 ADHS-Patienten ein. Auf Basis dieser Studie – die in der Juli-Ausgabe der ‘Clinical EEG and Neuroscience’ veröffentlicht werden wird - kann geschlossen werden, dass Neurofeedback wirklich als evidenzbasierte Behandlung für ADHS betrachtet werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass die Neurofeedback-Behandlung große und klinisch signifikante Effekte auf die Impulsivität und Unaufmerksamkeit hat und eine moderate Verbesserung der Hyperaktivität erzielt.

Diese Befunde beziehen sich auf Neurofeedback in der Behandlung von ADHS. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass Neurofeedback auch als evidenzbasierte Behandlung für andere Störungen betrachtet werden kann. Die Wirksamkeit des Neurofeedbacks muss für jede Störung separat erhoben und eingeschätzt werden. Zum Beispiel beschreibt eine Meta-Analyse über Neurofeedback bei Epilepsie, die in derselben Ausgabe von ‘Clinical EEG and Neuroscience’ veröffentlicht wird, die klinische Wirksamkeit von Neurofeedback in der Behandlung von Epilepsie.

Interessierte sollten eine gut informierte Entscheidung bezüglich ihres potentiellen Neurofeedback-Therapeuten treffen, da es große Unterscheide zwischen den Neurofeedback-Behandlungsansätzen und der Kompetenz der Therapeuten gibt! Eswird geraten nach Psychologen oder Ärzten zu suchen, die zumindest Mitglied in einer professionellen Organisation wie der International Society for Neurofeedback and Research (ISNR: www.isnr.org) sind und die gut untersuchte Methoden verwenden.

 

Literatur

  • Arns, M. (2011). Personalized medicine in ADHD and depression: A quest for EEG treatment predictors. PhD thesis, Utrecht University.
  • Arns, M. (2010). Handboek neurofeedback bij ADHD. [Handbook Neurofeedback in ADHD]  (1 ed.). Amsterdam: SWP.
  • Arns, M., de Ridder, S., Strehl, U., Breteler, M. & Coenen, A. Efficacy of Neurofeedback Treatment in ADHD: The effects on Inattention, Impulsivity and Hyperactivity: a Meta-Analysis. Clinical EEG and Neuroscience; 40(3), 180-189.
  • Arns, M. (2008) Personalized Medicine: Nieuwe ontwikkelingen in de diagnostiek en behandeling van Depressie en ADHD. De Psycholoog, September 2008.